Sommer 2025 mit Fokus auf Hitzeereignisse
Im gesamteuropäischen Kontext ist der Sommer 2025 als extrem einzuordnen.
23.02.2026
Anomalie der bodennahen Temperatur im Juni 2025. Referenzzeitraum 1991-2020.
Hitzewellen-Aktivität in Europa mit Hilfe des Extremal Pattern Index (EPI). Cumulierter EPI (Europa) über die Sommermonate. Top 7 Jahre (ab 1950) sind farblich markiert.
Hitzewellen-Aktivität in Europa mit Hilfe des EPI. Farblich dargestellt ist der Anteil der acht Prudence Regionen zum Gesamt-EPI über Europa.
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Auch der Sommer 2025 war in weiten Teilen Europas von Hitzewellen geprägt. Ereignisse dieser Art sind Forschungsschwerpunkt des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Projekts ClimXtreme. Eines der Ziele des Projekts ist die Erstellung einer Wissensbasis, die Entscheidungen zu Maßnahmen zur Verhinderung schwerer Schäden durch extreme Wetterereignisse unterstützt.
Als Teil dieser Wissensbasis ordnet dieser Bericht den europäischen Sommer 2025 unter Berücksichtigung der Veränderungen des globalen Klimas mit den in ClimXtreme entwickelten Methoden in Bezug auf Hitze ein. Die dargestellten Ergebnisse spiegeln den aktuellen Stand der Forschung wider. Dabei ist zu beachten, dass die Bewertung von Extremereignissen, insbesondere im historischen Vergleich, stark vom gewählten Blickwinkel abhängt. In diesem Bericht erfolgt die Einordnung mit wenigen Ausnahmen auf Basis des 30-jährigen Mittels für die Jahre 1991-2020 sowie der im Bericht in Abbildung 1 dargestellten europäischen Subregionen (PRUDENCE-Regionen) und ihrer Gesamtheit.
Zusammenfassung
Wie extrem war der Sommer 2025 in Europa?
In Mitteleuropa und damit in auch in Deutschland erreichte der Sommer 2025 keine so extremen Ausmaße wie einige der jüngsten Hitzesommer 2018, 2019 oder 2022. Im gesamteuropäischen Kontext ist der Sommer 2025 jedoch als extrem einzuordnen. Mit einer mittleren Temperaturanomalie von 1°C in Bezug auf den Zeitraum seit 1950 erreicht er ”nur“ den Rang fünf. Verschiedene Metriken zeigen jedoch, dass der Europäische Sommer 2025 in Bezug auf Hitzewellen sogar als einer der extremsten Sommer seit mindestens 1950 einzustufen ist. Er war von zahlreichen starken Hitzewellen geprägt, die in der betreffenden Region zu den stärksten der historischen Zeitreihen zählen. Zu nennen sind hier insbesondere die skandinavische Hitzewelle im Juni und eine Serie von zwei aufeinanderfolgenden Hitzewellen in Westeuropa, die unter anderem Großbritannien, Frankreich und die Iberische Halbinsel betrafen. Letztere wurde bereits ausführlich in einem Bericht des Copernicus Climate Change Service [1] analysiert, dessen Ergebnisse mit unseren Befunden übereinstimmen. Diese zeigen, dass der Juni 2025 in Westeuropa der wärmste Juni seit mindestens 1950 war.
Mit Ausnahme größerer Teile Frankreichs spielte die teils ausgeprägte Dürre im Frühjahr 2025 dieses Jahres nur eine untergeordnete Rolle, weil die meisten Hitzeextreme in Regionen ohne vorausgehende Dürre auftraten. Ebenso zeigt sich für die Schwerpunktregion der Frühjahrstrockenheit in der Regel kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen der Wasserbilanz im Frühjahr und den Temperaturen im Sommer. Stattdessen werden die Hitzewellen dort maßgeblich durch anomale großskalige Zirkulationsmuster über Europa bestimmt. So wurde die Hitzewelle in Skandinavien durch ein ungewöhnlich stationäres Hochdrucksystem im Rahmen einer sogenannten Rex-Blockierung ausgelöst und zeichnete sich insbesondere durch ihre außergewöhnliche Dauer aus, wie verschiedene Studien bestätigen [2, 3]. Die kürzeren westeuropäischen Hitzewellen Ende Juni/Anfang Juli dagegen entstanden durch die wiederholte Ausbildung von Höhenrücken, ohne dass sich eine langanhaltende Blocking-Lage etablierte. In deren Einflussbereich führten wolkenarme Bedingungen und Warmluftadvektion zu überdurchschnittlichen Temperaturen. Dabei spielte auch die Advektion warmer Luftmassen aus dem ungewöhnlich warmen Mittelmeerraum eine wichtige Rolle [1].
Welche Folgen hatte der Sommer für Mensch und Umwelt?
In diesem Bericht werden die Auswirkungen der europäischen Hitzewellen 2025 anhand von drei Metriken untersucht: menschliche Gesundheit, Waldbrandrisiko und Ernteausfälle (hier: Körnermais). Erste Schätzungen gehen von rund 24.000 hitzebedingten Todesfällen aus, vor allem im Mittelmeerraum, auf der Iberischen Halbinsel, in Frankreich und auf den Britischen Inseln [4]. Relativ zur Bevölkerungszahl hatten insbesondere Süd- und Südosteuropa die höchste Übersterblichkeit zu verzeichnen. Zum Vergleich: Die extreme Hitzewelle im August 2003 forderte etwa 70.000 Todesfälle [5]. Der geringere Wert im Sommer 2025 könnte auf die kürzere Dauer der einzelnen Hitzeepisoden und zwischenzeitlich erfolgte gesellschaftliche Anpassungsleistungen zurückzuführen sein.
Europa verzeichnete im Sommer 2025 die größte verbrannte Fläche seit Beginn systematischer Aufzeichnungen im Jahr 2006 [6]. Besonders die Hitzewellen in West- und Südeuropa Ende Juni/Anfang Juli sowie Mitte August traten zusammen mit extremen Feuerwetterbedingungen auf, die die Entstehung und Ausbreitung von Bränden stark begünstigten. Im Gegensatz zu West- und Südeuropa, wo Feuerwetterbedingungen mit zahlreichen Bränden einhergingen, blieb die Brandaktivität in Skandinavien trotz hoher Feuerwetterindizes gering.
Für die Analyse der Ernteauswirkungen des Sommers 2025 wird das Wachstum von Körnermais betrachtet, der 2024 etwa 22,9 % der geernteten Getreidearten ausmachte. In Süd- und Westeuropa zeigen sich im Vergleich zu 2020-2024 sogar günstigere Wachstumsbedingungen entlang der Hitzewellen-Hotspots, während Osteuropa nahezu flächendeckend Werte unter dem Fünfjahresdurchschnitt aufweist, was auf Ertragsverluste hinweist. Diese Ergebnisse bestätigen die Berichte offizieller Stellen [7-9], die die Ernteausfälle in Osteuropa als kritisch und irreversibel einstufen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass insbesondere Süd- und Westeuropa von massiven Auswirkungen der Hitzewellen in Bezug auf Gesundheit und Waldbrandrisiken betroffen war. Die hier verwendeten Metriken zeigen im Vergleich für die skandinavischen Hitzewellen jedoch nur geringe oder keine Auswirkungen. Andere, in diesem Bericht nicht untersuchte Metriken könnten hier relevanter sein.
Welche Rolle spielt der anthropogene Klimawandel?
Im Vergleich zum Mittelwert der Jahre 1961-1990 hat sich die Region Mitteleuropa bis heute um 2,3 °C erwärmt. Dieser Anstieg, größtenteils auf den anthropogenen Klimawandel zurückzuführen, liegt deutlich über der globalen Erwärmungsrate. Ebenso haben Hitzeextreme in Europa im Vergleich zu anderen Regionen der mittleren Breiten drei bis vier mal so stark zugenommen. Aus Modellsimulationen lässt sich abschätzen, dass der Sommer 2025 in Mitteleuropa im Rahmen des aktuellen Stands der Klimaerwärmung nicht ungewöhnlich war. In einem vorindustriellem Klima wäre solch ein Sommer aber nur alle 70 Jahre zu erwarten gewesen.
In diesem Bericht wird zudem untersucht, welchen Einfluss der Klimawandel auf die kurze, aber extreme mitteleuropäische Hitzeepisode Anfang Juli hatte. Im Rahmen einer probabilistischen Attributionsstudie für Deutschland zeigt sich, dass im aktuellen Klima der extrem heiße 2. Juli mit 35,5 °C im Flächenmittel im Schnitt alle 4 Jahre vorkommt. Aufgrund des anthropogenen Klimawandel ist solch ein heißer Tag mindestens 80 mal wahrscheinlicher geworden, bzw. ist nun 3 bis 6 °C wärmer als ein heißer Tag mit gleicher Wahrscheinlichkeit in einem vorindustriellen Klima.
Mit einer anderen Methode, bei der in einem großen Klimamodell-Ensemble nach ähnlichen Wetterlagen gesucht wird, wird zudem abgeschätzt, wie viel häufiger solch ein Hitzeextrem zum Ende des Jahrhunderts auftreten könnte. Die Wetterlage, die zum Auftreten der extremen Hitzeepisode Anfang Juli führte, zeigt in dem Modell-Ensemble für das rezente Klima nur in weniger als einem Prozent der Fälle eine Überschreitung der beobachteten Temperaturanomalie. Für ein 3 °C wärmeres Klima wird bei gleicher Wetterlage ein Anstieg der Wahrscheinlichkeit um den Faktor 40 projiziert und eine Zunahme der Temperaturanomalie um ca. 6 °C.
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